Die
Tamuli-Saga ist die Folgesaga der
Elenium-Saga von David Eddings.
Die schimmernde Stadt ist der erste Band.
Nach ein paar Jahren der Ruhe brechen in den östlichen Landen Eloniens Unruhen aus. Dabei scheint es, dass Helden der tiefsten Vergangenheit wieder auferstehen und das Volk zu Rebellion aufhetzen. Unterstützt von zwielichtigen Gestalten, die sich aus allen Schichten der Bevölkerung rekrutieren. Weit im Osten des Kontinents aber scheint die Quelle des Übels zu liegen. Die Mächte dort, das Tamulische Reich, stehen dieser Entwicklung hilflos gegenüber. Ein Held muss her. Am besten ein Götterbezwinger. Die Wahl fällt auf Ritter Sperber, dessen Ruf selbst bis dorthin gelangt ist.
So nimmt das Tamulische Reich mit der Kirche Eloniens Kontakt auf und es gelingt, Ritter Sperber heran zu ziehen. Doch nicht allein. Nein, Königin Ehlana beschließt, ihren Mann zu begleiten und so auch endlich echten diplomatischen Kontakt mit diesem fernen Reich aufzunehmen.
So machen sich gleich Hundertschaften auf den Weg, damit die Königin beschützt ist, auf dem langen Weg über den Kontinent. Dabei stellt sich schnell heraus, dass es wirklich überall aussieht, wie im heimatlichen Lamorkand. Überall die gleichen Aufstände, nach dem gleichen Muster wie daheim. So stehen die Gefährten immer wieder Gefahren aus längst vergangener Zeit gegenüber und es wird klar, dass nur ein Gott hinter all dem stecken kann. Schlussendlich gelangt man zur Hauptstadt des Tamulischen Reichs, der schimmernden Stadt. Dort herrscht der Kaiser, doch eigentlich ist es die Bürokratie, die alle Fäden in der Hand hat. Ein so schwerfälliger Apparat, dass eine Niederlage unvermeidbar scheint, denn der Feind kennt obendrein offenbar alle Schritte, die Ritter Sperber und Gefährten vornehmen. Es scheint, als könne nur noch der Bhelliom helfen. Doch der ist an einem unbekannten Ort verborgen, wo Sperber ihn selbst weggeworfen hat.
Eddings legt sofort los. Keine Einleitung, keine Zusammenfassung, nicht mal ein bisschen zu den Charakteren. Wer nicht die
Elenium-Saga vorher gelesen hat, ist vollkommen aufgeschmissen. Tatsächlich sollte man sich zwischen der
Elenium und der
Tamuli nicht zu viel Zeit lassen, denn auch die Nebencharaktere der ersten Saga werden mit einer Selbstverständlichkeit ins Feld geworfen, dass man nur mit den Ohren schlackern kann. Ich kann jedem nur raten, wenn er auch die
Tamuli lesen will, so sollte er es nicht allzu spät nach der
Elenium tun oder diese vielleicht vorher noch einmal lesen.
Dass dabei in der Fortsetzung eine große Macht einer weiteren folgt, man, um sie zu besiegen, den Kontinent überqueren muss und man dort auf ein Riesenreich trifft, das einen Kaiser hat und eine allumfassende Bürokratie, klingt bekannt. Tatsächlich muss ich sagen, dass ich mich bei der Elenium ja schon leicht an die
Belgariad-Saga erinnert fühlte, hier aber extrem stark an die Malloreon. Der einzige Unterschied scheint zu sein, dass diesmal der Kaiser nicht alles selbst entscheidet, sondern alles entscheiden lässt und er nicht zu delegieren lernen muss, sondern umgekehrt, lernen muss, auch selbst zu entscheiden. Man kann leider nicht nur von einem Eigenplagiat reden, eigentlich muss man es sogar tun.
Trotzdem gibt es aber doch ein paar Dinge, die anders sind. Die Welt ist recht dunkel und bedrohlich. Dabei weisen alle Charaktere und Völker Schwächen auf, gerade, was Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz gegenüber Andersgläubigen angeht. Obendrein ist die Götterwelt, die Eddings aufzieht, äußerst faszinierend. Was brauchen Götter, um zu existieren? Wie gelangen sie zu Macht? Usw. Spannend erzählt und erklärt. Man mag sich an Pratchett erinnert fühlen, nur dass Eddings mit den wirklich ähnlichen Erklärungen fast ein Jahrzehnt eher dran war. Abgerundet wird das Ganze, indem Eddings dem Leser vor Augen führt, was alles beim Thema Religion und Kirche schief gehen kann und dass das nicht wirklich immer mit Glaube zu tun haben muss, ja gar nicht darf, da sonst jeder Gläubige eigentlich sofort seine Religionsgemeinschaft verlassen müsste.
Was man als Leser der Sagen um Belgarion aber noch nur ahnte und vielleicht sogar nicht wirklich wahr haben wollte, gerade, wenn man zum Eddings-Fan geworden war, so wird es hier wirklich Gewissheit: David Eddings und seine Frau sind begnadete Geschichtenerzähler, aber mit den schriftstellerischen Fähigkeiten ist es dann doch nicht so weit her. Dafür gibt es ihm Buch ein paar Belege, die sich auch unter größtem Wohlwollen nicht wegreden lassen.
Das geht schon los, wie sie reisen. Wie schon in der Elenium fuscht Aphrael ein bisschen mit der Zeit rum. Nur waren die Leute in der Elenium wenige und sie waren in relativ unbewohnten Landen. Hier aber sind es viele und sie haben Wegpunkte, wie große Städte, die sie erreichen - und das in der Regel immer viel zu früh. Und nicht einem fällt es auf! Das ist schlicht unglaubwürdig. Zwar versucht Eddings es zu kaschieren, indem es gerade einem Helden gegen Ende des Buches irgendwie auffällt, dass der Sommer ziemlich lang ist, aber dass das sofort mit unterschiedlichen Klimazonen abgewiegelt wird, ist schlicht schwach, denn schon gleich bei der ersten Station hätte Kring mehr als deutlich auffallen müssen, dass seine Liebste Mirtai, Sperber und Gefolge viel zu früh am Treffpunkt ankamen. Das Kind ist wirklich in den Brunnen gefallen. Und da nutzt es auch nichts, dass Eddings, dem es wohl selbst auffiel, dann im Prolog des zweiten Bandes noch einmal darauf eingeht und diese Tatsache dann von Magieungläubigen, tamulischen Gelehrten mit unterschiedlichen Wochenlängen zu erklären versucht.
In den Sagen um Belgarion war das Böse immer deutlich und klar. Hier versucht Eddings die Helden und auch den Leser mal im Dunkel tappen zu lassen. Es bleibt bei dem Versuch. Als Leser weiß man schon in der Mitte des Buches, dass einer der Begleiter der Gefährten nicht nur ein Verräter, sondern einer der Hauptbösewichte, wenn nicht gar der Hauptbösewicht ist. Wer also gerne miträtselt, wird arg enttäuscht werden. Was da aber noch viel schwerer wiegt, ist die Tatsache, dass der Leser, wie auch die Helden den gleichen Wissensstand haben. Jeder Autor, der - ich sag jetzt mal Bücher schreibt, wo es ganz allgemein um das Finde-den-Bösewicht geht - versucht dem Leser Exklusivinformationen zukommen zu lassen, die die Helden nicht haben. Nein, Eddings verzichtet darauf. Die Folge ist arg. Denn plötzlich stehen seine Helden irgendwie bodenlos dumm da in den Augen des Lesers... und das ist alles, nur nicht gut. Konnte man, ich sag jetzt mal, Fehlleistungen, in früheren Büchern mit Naivität und persönlichen Schwächen der Charaktere glaubwürdig erklären, geht das hier nicht mehr. Da kann ich leider nur ein Wort benutzen: Schwach!
Hinzu kommt, dass der große Charme eddingsscher Bücher eben der Charme ist. All die vielen kleinen Niedlichkeiten, die seine Bücher zum Lesegenuss machen. Leider, leider wirkt genau das an manchen Stellen im Buch aufgesetzt, als würde er es zu erzwingen versuchen. Was in die Hose geht. Gerade das Gespräch zwischen Vanoin, Sperber, Aphrael und Sephrenia am Schluss des Buches, wo es um die Rückgewinnung des Bhelliom geht, ist da ein gutes Negativbeispiel.
Um die Negativliste abzuschließen noch ein Punkt. Die
Tamuli-Saga entstand zu einer Zeit, wo Eddings in einer für einen Autor sehr seltenen Lage war. Er hatte schon so viele Bücher verkauft, dass der Verlag wohl nur noch gesagt hat: Schreib, was du willst, aber schreib. Wir verkaufen's eh! Ich hätte auch nicht gedacht, das je zu sagen. Denn auch ich wünschte mir, dass gerade die Belgariad viel länger gewesen wäre. Die
Tamuli lehrt mich, mit solchen Wünschen vorsichtig zu sein. Denn hier und da hat das Buch tatsächlich Längen und ich habe mir stellenweise gedacht, dass die Eheleute Eddings sich doch etwas kürzer hätten fassen können. Das aber nur als kleines Negativum... denn so bekommt man insgesamt über alle drei Bücher 2.000 Seiten Eddings pur... und damit habe ich auch genug gemeckert und kommt zu den Positiva!
Auch wenn sich schriftstellerische Mängel offenbaren, zeigen Eddings und seine Frau einmal mehr, was für begnadete Geschichtenerzähler sie sind. Das Buch ist trotz kleiner Längen einfach spannend und man kann es kaum aus der Hand legen. Das was Eddings so sehr ausmacht: Die sentimentalen oder heroischen Momente, die einem beim Lesen die Tränen in die Augen treiben, weil sie so wunderschön und eindringlich beschrieben sind, sind genauso vorhanden, wie der Charme der Charaktere und kleiner Momente im Verlauf der Geschichte. Alle haben ihre Fehler und er weidet sie aus. Wortgefechte und Dialoge, die einem vor lachen Bauchschmerzen bereiten sind genauso zu genüge vorhanden, wie die traurigen Momente. Es ist trotz allem ein echter Eddings. Und das meine Positiv-Liste jetzt so klein wirkt, ist einzig und allein dem Umstand geschuldet, dass der Mensch halt Negatives viel eindringlicher in sich verinnerlicht. Und ich bin ein Mensch. Davon ab, will ich ja niemandem die unendlich vielen Kleinigkeiten nehmen. Lest das doch bitte selbst.
Fazit:
Ja, man... nein, Stopp... noch kein Gesamtfazit... das erst nach dem dritten Buch. Also...
Die schimmernde Stadt mag nicht mit anderen Werken Eddings mithalten können, aber da man wohl erst zu der Überlegung kommt, dieses Buch zu lesen, wenn man zumindest die
Elenium vorher gelesen hat (Was man, wie o. g. tunlichst tun sollte), so ist der geneigte Leser eh schon zumindest fast ein Fan der Eheleute Eddings. Und auch wenn man doch einige Mängel vor Augen geführt bekommt, ist das Buch durch und durch doch eben ein Eddings mit all dem, was eben einen Eddings ausmacht: Viel liebevolle Erzählung und große Gefühle.