Sturmwelten - das Neueste von Hardebusch in meinem Regal. Wie also würde sich das Autor nach den Trollen schlagen? Nun, in Sturmwelten geht es zum einen erst einmal um Personen. Nicht weiter verwunderlich, denn es ist der Auftakt einer Trilogie. Zum einen wären da Jaquento, ein - ich nenn es mal Glücksritter, der offenbar etwas adliges Blut in sich trägt, aber seiner Heimat den Rücken kehren musste. Offensichtlich hat er Blut an den Händen. Aber wirklich viel über seine Vergangenheit erfährt man in dem Buch nicht. Dann Roxane. Eine junge Leutnant der Marine, die leider das Pech hat, unter einem verrückten Kapitän dienen zu müssen. Dann haben wir Franigo. Einen jungen Poeten, der sein Glück und vor allem Gold in der Hauptstadt eines der Reiche in dem Buch sucht. Und zuletzt Sinao und Majagua, zwei junge Sklaven, gefangen auf einer Insel und ihr Kampf um die Freiheit.
Worum geht es in dem Buch, was ist der Hauptplot? Tja, gute Frage. Ich hab ihn gesucht, aber nicht gefunden. Vielleicht geht es um irgendein mächtiges, magisches Artefakt, aber selbst das ist nur eine Vermutung, denn letztendlich kann nur der Epilog und der Prolog für diese Vermutung herhalten.
Das ganze findet in der Sturmwelt statt. Ein Land, das eher eine Ansammlung vieler kleiner Inseln ist und somit geht es in der Hauptsache um Seefahrt.
Und genau da fängt es an. Frankreich, England, Spanien und die Piraten der Karibik. Die Ähnlichkeiten sind so dermaßen brutal, dass man einfach nicht von einer neu erschaffenen Welt Hardebuschs sprechen kann. Hinzu kommt, dass man das Leben auf einem Kriegsschiff, auf einem Piratenschiff, auf karibischen Inseln und das harte Los von Sklaven auch woanders nachlesen kann. Bezeichnend ist da der seitenlange Anhang am Buch, mit den Quellen, die Hardebusch genutzt hat. Einzig und allein die Sprache Hardebuschs und seine Art zu schreiben, so dass ich das Buch trotzdem verschlungen habe, sorgte dafür, dass es nicht einen fahlen Beigeschmack hinterlassen hat. Die Charaktere kommen gut und glaubwürdig rüber. Man fiebert mit, freut sich mit, leidet mit... kein Problem... aber die Welt drum rum ist schlicht bekannt und damit wären wir beim Hauptproblem. Es ist schlicht keine Fantasy. OK, es kommt ein wenig Magie darin vor... aber nur so dezent und vielleicht mysteriöser im Pro- und Epilog, aber das war es... ach ja, Jaquentos Echse... immer mehr im Buch stellt sich raus, dass mit der auch was nicht in Ordnung ist. Aber auch das erinnert dann stark an den Hund in Weiss und Hickmans Vergessene Reiche... sehr stark sogar.
Es bleibt also eine furios erzählte Geschichte, aber ohne wirklich etwas Neues. Aber das halt wirklich gut verpackt. Einzig schlittert das Buch an einem Etikettenschwindel knapp vorbei. Mich stört es nicht, wenn in einem Buch nur Menschen vorkommen, auch der sehr geringe Einsatz von Fantasyelementen ist erst mal nicht schlimm. Aber es Fantasy zu nennen, ist sehr hart an der Grenze zur Lüge. Wenn es Highfantasy gibt, so ist Sturmwelten Lowestfantasy.
Fazit:
Wer ein Fantasyfeuerwerk wie Die Trolle erwartet, wird und muss arg enttäuscht werden. Wer aber rasant und furios erzählte Piratenabenteuer mag, Hardebuschs Stil einfach liebt und vielleicht noch irgendwo ein Poster von Erol Flynn versteckt hat, der wird Sturmwelten lieben. Ich für meinen Teil habe das Buch in nicht mal einer Woche verschlungen und es hat über 700 Seiten.
Sturmwelten
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