Elfenritter - das Fjordland

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Linisai La Ferenoria
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Elfenritter - das Fjordland

Beitrag von Linisai La Ferenoria »

Mit Das Fjordland findet die Elfenritter-Trilogie seinen Abschluss. Zu Ende wird erzählt die Geschichte um den großen Krieg zwischen altem und neuen Glauben und gegen die Kinder der Alben. Durch Die Elfen weiß der Leser, was geschieht, doch wie geschieht es wirklich und was geschieht mit Gieshild und Luc, was mit den Kirchenoberen und was mit den Kindern der Alben?
All das wird in der von Bernhard Hennen gewohnten Wortgewalt erzählt und in Das Fjordland finden alle großen Handlungsstränge des Elfen-Epos ihr grandioses Finale.

Hm... ich habe lange überlegt, was ich hier schreiben soll. Sollen es drei Punkte werden oder aber ein Roman. Ich habe mich für den Roman entschieden, denn das Buch geht am Leser nicht spurlos vorbei.

Wie oben erwähnt, werden die Handlungsstränge zusammengeführt. Alle Geschichten finden ein Ende, doch wie sie dahin kommen, dass ist ein Blatt für sich. Nach allem, was ich bisher von Hennen gelesen habe, habe ich erwartet, dass es tragisch und schlimm werden würde und ich wurde nicht enttäuscht. Es wurde sogar noch schlimmer. Das ich Hennen-Bücher mit eiskalten Händen lese, das bin ich mittlerweile gewohnt, aber dass ich danach schweißgebadet bin und mir sogar übel wurde, als ich das Buch weglegte, das kannte ich noch nicht. Ich mag feinfühlig sein, ich mag zu sehr in eine Welt rutschen, wenn sie gut erzählt ist und Hennen mag es bei mir schaffen, dass das ganz leicht geht, aber Das Fjordland war zu viel... einfach zu viel und es stellt selbst Rabensturm mehr als nur in den Schatten.
Und trotzdem... Anfangs habe ich scherzeshalber gesagt, dass es mit so vorkommt, als hätte diesmal Hennes Frau beim schreiben neben ihm gestanden und einen Knüppel in der Hand gehalten und nur gesagt: So... sieh zu, dass das ordentlich wird! Tatsächlich sprudelt das Buch auch voller Elemente der Hoffnung, Freude und wahrer Liebe, die durch das beschrieben Grauen nicht zerstört werden kann. Ein Grauen, in dessen Explizität Hennen sich eindeutig zurück hält, das eigene Kopfkino es aber tausendfach schlimmer macht.
Aber trotzdem habe ich in keinem Buch Bernhard Hennes so oft geschmunzelt und sogar herzhaft gelacht, wie in diesem und vielleicht von Die Elfen abgesehen. Aber auch wieder ein Zeichen dafür: Ein Krieg kann nicht alles zerstören!

Das Grauen kommt dadurch zustande, dass Das Fjordland letztendlich nichts anderes ist, als ein Buch über einen Vernichtungskrieg, in dem es um Ideologie geht und am Ende nur ein Sieger dastehen kann. Es geht um diese Grausamkeit, die ein Krieg mit sich trägt. Die Toten, Verstümmelten, auseinander gerissene Familien und die Vernichtung des Glücks, wo es doch eigentlich nur ein paar wirklich Böse gibt, die natürlich auch fast ungeschoren davon kommen. Es ist ein Real-Roman in Fantasiegestalt. Nichts anderes.
Was aber um so besser heraus kommt ist, dass eben das Heer der Opfer, der Leidenden, nicht gesichtslos bleibt. Sie erhalten ihren Raum und lassen die Grausamkeit nur noch wachsen. Dadurch mag das schreckliche Schicksal der Haupthelden abgemildert werden, ja, aber trotzdem bleibt der blutige Geschmack im Mund und wird noch schlimmer.
Trotzdem aber vermag Hennen es diesmal, auch Hoffnung zu säen. Ins Herz des Lesers einen Funken zu setzen, der bisher aus allen Kriegen, die Menschen bisher führten, hervor glomm. Hoffnung, Vergebung und vor allem, dass Liebe immer in der Lage ist, Berge zu versetzen!

Explizit mag ich da zwei Kapitel nennen. Zum einen ist das Liuvar Alverdar. Nachdem ich diese Szene gelesen habe, habe ich auf die Seiten geblickt, schluckte und habe den Kampf gegen die Tränen verloren. Diese kleine Szene war das mit Abstand schönste, was ich je in einem Buch gelesen habe. So viel Demut, Vergebung, Liebe und Freundschaft auf nur wenigen Seiten... eigentlich hätte sich das lesen des Buches allein nur für dieses Kapitel gelohnt, wenn es da nicht auch noch das Kapitel Der Wolkenspiegelsee gegeben hätte. Ich hab es noch nicht erlebt, dass ich ein Buch bei Seite legte, es streichelte und den beiden Protagonisten in dem Kapitel einfach den Tag ohne mich gab, den sie auch im Buch haben. Sie haben ihn sich mehr als verdient.
Allein diese beiden Kapitel gaben mir als Leser die Kraft, überhaupt zu Ende zu lesen, alles, was noch kam, seelisch überhaupt ertragen zu können. Und dann mit den letzten beiden Kapiteln für sechs Elfenbände belohnt zu werden, aber dazu erst mehr nach der Spoiler-Warnung.

Was bleibt? Zum einen tiefe Wehmut und Trauer. Darüber, was alles zerstört wurde, was kaputt ging, wegen der Gier und Verblendung einiger weniger. Aber auch die Freude über den Sieg der Hoffnung, der Zukunft und der Liebe!

Danke, Bernhard Hennen, für deine Bücher und vor allem für dieses!

Ein Blick in die Zukunft... ich will es nicht wahr haben, aber ich fürchte, so langsam heißt es Abschied zu nehmen von der Albenmark und der Welt der Menschen mit dem Fjordland darinnen. Noch kommen Elfenlied und Elfenkönigin. Aber gerade in Elfenkönigin, werden nur Nebenstränge erzählt werden. Man weiß um das wirkliche Ende, denn in Elfenritter wird es in allen Bereichen erzählt und ich denke auch, dass dieses Epos danach zu Ende ist. Ein würdiges und verdientes Ende... auch wenn ich eigentlich nicht genug bekommen kann, davon zu lesen.

Mit Das Fjordland hat sich Bernhard Hennen in den Olymp der Fantasy geschrieben. Anders kann und will ich es nicht sagen und ich empfinde tiefe Achtung, Demut und Dankbarkeit diesem Autor gegenüber, der mich mit vielen Stunden reinstem Lesevergnügens beschenkt hat.

Mein Fazit:
Das Fjordland ist nicht das fantastischste Buch, das ich je las, es ist nicht voller origineller Ideen, aber es ist das am Herzen reißenste und das Schönste, das ich je las. Noch einmal vielen Dank dafür!


Achtung!!! SPOILER!!! Nur lesen, wer es schon gelesen hat!

Luc und Gieshild... Luc und Gieshild!!! Oh die Liebe dieser beiden war das Schönste, was mir je untergekommen ist und bei der Intensivität der Beschreibung, der Erinnerung daran, treibt es mir sogar jetzt noch die Tränen in die Augen. Nach Rabensturm, hätte ich niemals geglaubt, dass Hennen den beiden das Glück am Ende doch gönnt und sie zusammenführt. Ich hab felsenfest damit gerechnet, das einer stirbt. Danke... so vielen Dank dafür.
Natürlich darf nicht Erek unerwähnt bleiben und das Gieshild sich doch zu ihm legte, hatte er schlicht verdient, denn er war ein guter Mann. Vor allem, nachdem Gieshild vom Tod Lucs ausgehen musste. Als Morwenna ein tragisches Ende für Erek prophezeite, habe ich mit dem Schlimmsten gerechnet, aber es kam weniger schlimm. Er ist gut gestorben. Als König. Das Luc und er sich anerkannt haben, beide einfach gesehen, dass der eine der Beste des Fjordlandes für Gieshild war und der andere, der, dem ihr Herz gehörte und sie sich trotzdem nicht gegenseitig umbrachten. Jeder sah, dass der andere ein guter Mann war. Wunderschön.
Natürlich ist es mehr als bitter, dass Snorri starb. Aber irgendwie... so wie Gieshilds Volk gelitten hat, so wäre es ein zu gnädiges Happy End geworden, wenn Gieshilds Sohn überlebt hätte, denn Luc hätte dieses Kind wie sein eigenes geliebt und so wirklich klar, von wem es nun war, war es ja eh nicht. Weder Erek noch Luc sehen sich wieder in dem Kind, nur Gieshild sehen sie.
So bleibt nicht einmal ein fader Beigeschmack, denn Erek und Snorri stehen für das Fjordland und die Königin. Dies beides ist gestorben in ihrer traditionellen Form. Luc steht für das Mädchen und die Ritterin und sie werden die Zukunft sein.
Außerdem weiß man als Hennenleser, dass es die Goldenen Hallen gibt und dank Sirgurd, dass jeder, der fürs Fjordland focht, dort hin gelangen wird und ich finde die Vorstellung, dass dort dereinst Gieshild mit ihren Liebsten Luc und ihrem König Erek und vielen Kinder sitzen wird, mehr als nur wunderschön.
Aber selbst die Gegenwart hat mehr als nur Hoffnung, denn Luc und Gieshild können die Reste der Menschen des Fjordlandes in eine goldene Zukunft führen! Auch das Gieshild ihre Füße verlor, wiegt nicht schlimm. Luc liebt sie! Nur das zählt und vielleicht auch die kleine Hoffnung auf Heilung, denn wie sagt er so schön: Vertrau mir! Wunder geschehen! *schnief*
Lang leben König Luc und Königin Gieshild! Und oh wie gern wäre ich einer ihrer Untertanen!

"Endlich bist du gekommen." ... Lyndwyn. Sie hatte auf ihn gewartet. Als ich diese Worte las, flossen die Tränen, sie liefen und liefen und ich hätte jubeln können, als hätten die 49'ers den Superbowl gewonnen und selbst jetzt kommen mir dir Tränen, wo ich es schreibe. Was war das Leid von Luc und Gieshild gegenüber dem von Ollowain? Ein Nichts, denn 1.000 Jahre lang wollte er zu der Frau, die er liebte und die für ihn gestorben war. 1.000 Jahre Seelenpein, aus Ehre und Dienstbereitschaft. Ollowain ist der Held im gesamten Epos und ich habe am meisten mit ihm gelitten und dann kam dieser eine Satz und eine weiße Decke des Friedens breitete sich über meine Seele aus und ein Stein, größer als der Mond, fiel von meinem Herz!
Danke, Bernhard Hennen!
Doch was richtet dieser eine Satz noch alles an? Das Mondlicht war immer nur ein diffuses Etwas. Nicht greifbar, nicht begreifbar und mit diesem Satz wird alles anders. Es ist ein Land des Friedens, ein Land, wo sie endlich die Liebe leben können, die die beiden mehr als nur verdient haben.
Aber noch viel mehr folgt daraus. Denn nachträglich bekommen Die Elfen ein echtes Happy End, wo Farodin und Noroelle ins Mondlicht gingen. Die kleine Myrielle ist dort und auch Nuramon wird dereinst zu Freunden gehen.

Bernhard Hennen hat in Das Fjordland also nicht nur zwei satte Happy Ends zu Papier gebracht, er hat so vielem in den Büchern zuvor noch mal ein ganz anderes Bild gegeben... wundervoll... und mir ist eines klar: Auch wenn der Elfenepos bald wohl ein Ende finden wird, als Leser werde ich ihm auf jeden Fall treu bleiben!
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Garbosch
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Beitrag von Garbosch »

Ich habe lange überlegen müssen aber Tatsache ist, das ich Thorstens Meinung absolut unterschreiben kann. Er hat mit jedem Punkt Recht. Was soll man dazu noch schreiben *gg*
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