Warum grabe ich diesen alten Thread aus? Gibt es eine geänderte Neufassung der
Belgariad-Saga? Nach Eddings Tod? Nein, natürlich nicht. Ich habe nur gerade mit dem Original abgeschlossen und es drängt mich förmlich danach, dazu ein paar Zeilen zu schreiben.
Fang ich mit etwas absolut technischem an. Ich kritisierte den Verlag, dass sie vielleicht aus Kostengründen auf einige notwendige Absätze innerhalb der Bücher verzichtet haben, um die Seitenzahl kleiner zu halten. Diesen Vorwurf muss ich zurück nehmen. Bastei war schlicht konsequent. Auch im Original gibt es eben massenhaft Handlungsbrüche innerhalb der Kapitel, die mehr als nötig auch mal eine Leerzeile gebraucht hätten. Macht es mitunter halt wirklich schwierig, weil man unerwartet auf einmal mit ganz anderen Dingen konfrontiert wird. Selbst wenn man die Bücher ja schon kennt.
Jetzt aber zum Inhalt. Da kann es ja nur um die Übersetzung gehen und da will ich auch drauf eingehen. Was das Übersetzerehepaar da geleistet hat, ist absolut in Ordnung. Sie transportieren die Spannung, das Herz, die Magie der Worte von David Eddings sehr, sehr gut. Zumindest was mein begrenztes Englisch betrifft. Aber da hilft Eddings Sprache wirklich sehr, denn auch das Original stellt jemanden mit normalen Englischkenntnissen auf keinen Fall vor unlösbare Aufgaben. Ausnahme ist nur sobald Arendier zu sprechen beginnen - meine Fresse. Was Eddings da an Archaischer Sprache auspackt, da haut's einem schon den Schalter raus und stellt einen Tolkien im Herrn der Ringe locker in den Schatten. Ansonsten aber ist es wirklich nicht schwer zu lesen und wie bei der Übersetzung konnte ich auch das Original nicht aus der Hand legen und war gefangen in Eddings Welt. Fieberte in der Handlung mit, lachte, weinte und fühlte eben diese unendliche Liebe und Wärme, die niemand außer Eddings so zum Leser transportieren kann.
Und doch haben sich die Übersetzer einen richtigen Knaller geleistet. Vor allem ein richtiger Knaller, wo es doch um einen wichtigen Aspekt der Saga geht und eine der Hauptpersonen gerade in der folgenden
Malloreon-Saga: Botschaft! Leider, leider sagt der kleine Junge aber nicht ein einziges Mal Message oder wird Message genannt. Nein, er heißt und sagt Errand. Und das kann man nicht ansatzweise mit Botschaft übersetzen, außer man leitet es von der möglichen Übersetzung Botengang ab. Aber richtiger Weise heißt es schlicht
Auftrag. Und plötzlich öffnen sich ganz neue Türen. Auf einmal macht alles sehr viel mehr Sinn, wenn Botschaft mit dem Wort errand versucht den Orb an die Gefährten der Prophezeiung weiter zu geben. Ist es doch keine Botschaft, sonder hat er den Auftrag etwas zu tun und noch viel mehr eben jene, die da angesprochen werden. Plötzlich macht der Satz von Zedar gegenüber Polgara wirklich Sinn, als er ihr erklärt, dass er den Jungen fand und zu ihm sagte, dass er für ihn einen Auftrag habe und eben keine Botschaft und der Junge fortan immer nur dieses eine Wort sagte. Oder als Botschaft zu den Göttern geht nach dem Kampf von Belgarion mit Torak und auf den toten Durnik deutet und vehement Auftrag ruft, damit sie den Sendarier wiederbeleben. Und, und, und... .
Ich hab keine Ahnung, warum sie das Wort mit Botschaft übersetzt haben. Für mich wird Botschaft dadurch nicht niedlicher. Er könnte auf jeden Fall auch Auftrag heißen, vor allem weil die ganze Saga sehr viel mehr Sinn erhält.
Aber das war dann wirklich der einzig große Klopfer. Es könnte noch andere geben, aber meine Englischkenntnisse haben mich keinen weiteren entdecken lassen. Dafür aber viele, viele kleine Dinge, wo ich wieder mal feststellte, dass ich wirklich nicht in der Haut eines Übersetzer stecken möchte. Beispiele? Gerne!
Als Greldik und Barak sich das erste mal treffen umarmen die Freunde sich herzlich. So steht es im Deutschen. Im Original ist es ein
bear hug. Wortwörtlich eine Bärenumarmung. Das lässt sich nur leider nicht adäquat ins Deutsche übertragen. das herzlich ist also schon vollkommen richtig. Doch geht dabei so viel verloren. Barak, der sich zum Bären wandelt, wenn Garion in Gefahr ist. Chereker, die ja an den Bärengott glauben und eben nur die, die sich mit einem bera hug umarmen. Es gibt da nur eine Ausnahme, als Garion uns Lelldorin sich nach der Rückgewinnung des Orbs zum ersten mal wieder sehen bear hugen sich auch. Aber den beiden Freunden ist es gegönnt und wirklich die einzige Ausnahme, wo es eben zwei Nichtchereker machen.
Dann diese wundervolle Szene, als die Könige in den Krieg ziehen und Polgara die Königinnen zur Besprechung ruft, weil die Frauen ab sofort in de Ländern das Regiment übernehmen. Als Polgara die Versammlung auflöst, sagt sie:
Lasst uns zusehen, dass die Männer Essen bekommen, denn Männer werden rastlos wenn sie nicht regelmäßig zu essen bekommen. Eine der Szenen, wo wohl jede Leserin nur breit grinst und heftig nickt und jeder Leser schallend lacht und ihm dasselbige dann im Hals stecken bleibt, weil es so was von wahr ist, was da steht. Nur steht im Englischen:
It's getting on toward suppertime, and men grow to tend restless if they aren't fed regulary.
Ich denke, da muss ich gar nicht viel sagen

Natürlich stimmt die Übersetzung. Aber es geht eben auch die Doppeldeutigkeit verloren, dass man das fed auch durchaus mit füttern übersetzen könnte, was es einfach noch mal besser macht.
Oder auch nachdem Garion Torak besiegt hat, beginnt Ce'Nedra ja damit, sich ständig unter Garions Arm zu winden. Das da im deutschen schiebt oder windet steht, lässt es genauso niedlich und anrührend werden, wie im Original, aber da steht jedes Mal
wormed. Es gibt nur kein unter einen Arm wurmen im Deutschen und doch macht Eddings Original halt mit nur einem Wort, dass man sich genau vorstellen kann, wie die kleine Prinzessin es bei ihrem Liebsten macht.
Nur drei kleine Beispiele von wirklich vielen, wie schade es ist, dass sich manches eben bei einer Übersetzung nicht transportieren lässt.
Dadurch wird die deutsche Übersetzung keinesfalls Schlechter. Es bleibt die Magie von Eddings und alle Gefühle, die Wärme und Liebe werden dem Leser ans Herz gelegt. Es bleibt die beste Fantasy, die ich je gelesen habe. Aber das Original ist tatsächlich noch einmal magischer - noch einmal besser. Und es verwunderte mich wenig, als ich sah, dass meine Bücher aus der 49. Auflage sind.
Ich hatte einen Hohlbein zur Seite gelegt, weil ich so was in der Weihnachtszeit einfach nicht lesen wollte. Ich griff eher aus Verzweiflung zu Eddings, wurde aber mehr als belohnt. Es gibt nichts Besseres in dieser Zeit zu lesen, denn niemand kann wie Eddings Begriffe wie Liebe, Familie, Besinnung, Freundschaft und alle schönen und positiven Gefühle so mit Leben füllen wie eben David & Leigh Eddings.
So komme ich also nicht umhin, jedem die Bücher erneut wärmstens ans Herz zu legen. Und die Originale haben wirklich einen gewaltigen Vorteil auch abgesehen von dem, was ich bisher geschrieben habe. Zum einen bekommt man sie eben noch komplett. Da ist nichts vergriffen. Man muss nicht bei eBay suchen und Glück haben. Das Englisch ist nicht zu kompliziert. Sollte man eigentlich mit klar kommen. Und die fünf Bücher sind gegenüber den Deutschen noch mal ein bis zwei € günstiger - also wenn das kein Anreiz ist!
Ich werde auf jeden Fall umgehend mit Eddings weiter kuscheln gehen und den ersten Band der Malloreon in die Hand nehmen, der schon auf der Couch liegt.
In dem Sinn: Frohe Weihnacht, denn Eddings lässt den Geist der Weihnacht zu Leben erwachen!