Also eigentlich ist der Kronrat das Ende des Geheimnis um Askir. Was zumindest auch zum Teil richtig ist, denn nachdem schon in der Eule von Askir ziemlich viel Geheimnisvolles um Askir und einfach nur Hintergrund erzählt wird, so wird es hier fortgesetzt und die letzten, scheinbaren, Geheimnisse fallen und die ganze Welt der Vergangenheit offenbart sich dem Leser. Gut, es bleiben genügend fragen offen, aber... mit dem wohl heftigsten Cliffhanger der Askirsaga von Richard Schwartz in allen bisher erschienen Büchern, wird sofort deutlich: Das ist nicht das Ende! Eigentlich ist es der Beginn und ich für meinen Teil glaube sogar, alle sieben Bücher bisher waren eher ein Vorgeplänkel und jetzt geht es erst richtig los.
Dabei war das eigentlich abzusehen. Die ersten 200 Seiten passiert eigentlich nichts. Es Schwartz erzählt, die Helden taumeln durch die Stadt, die sie zu erschlagen droht durch ihre Größe und Vergangenheit. Und doch, man lernt die Charaktere noch mal neu kennen, vor allem jene aus der Eule und es wird klar... man sollte die Eule tatsächlich vor dem 6. Askir gelesen haben. (Gerade was Balthasela angeht. Eine Wortschöpfung Richard Schwartz', die es aber genau trifft. Ich erzähl nicht mehr. Selbst lesen ist da angesagt). Es wird wieder viel erzählt und einige überraschende Spielsteine des Schwartzschen Schachs werden gesetzt. Es geht, obwohl sehr spannend, doch auch sehr gemütlich zu. Angenehm zu lesen und doch ziemlich überraschend, weil es ja eigentlich ein Abschlussband ist und man nicht mal Ansatzweise ein Ende erkennen kann... das bleibt auch so
Doch plötzlich explodiert die Handlung. Hatte ich mich schon auf Intrige und Diplomatie eingerichtet. Dabei auf Richtige und die Unvergleichliche Havalds, so passieren auf einmal Morde, nötige Eingriffe in Staatspolitik und das Ableben einiger Necromanten. Außerdem lernt man neue Götter kennen und die Heimat des Dunklen Herrschers. Dazu weiterhin Input, Input, Input wie und warum alles geschah und jetzt geschieht. Bis es im Kronrat zum letzten Eklat kommt, die Pläne des Kaisers sich offenbaren, aber auch alles, was Askannon selbst noch machen könnte, bis hin zum Ende... was einen schlicht umhaut... Herr Schwartz... so was macht man nicht!
Der Kronrat ist also ein Buch, dessen Tempo man einfach nicht benennen kann, das aber auf jeden Fall mitreißt und auf jeden Fall beim 5. Band einzusortieren wäre.
Es gibt auch durchaus Negatives zu berichten, aber dafür muss ich ins Detail, deswegen hier:
[Spoilerwarnung an]
Erst hätte ich ja darüber meckern müssen, wie Angus abgeledert wird. Gut, das relativiert sich dann ja doch. Aber im dem Zusammenhang taucht nun mal Havalds alter Freund Ragnar auf. Es ist nicht sein diplomatisches Genie, das überrascht, sondern vielmehr ein Rückblick aufs erste Horn. Taucht Leandra doch auf und ist Askir nicht mehr als eine Saga - auch für Havald... und dann kommt Ragnar und er weiß alles über Askir, ist sein Land doch eines der Reiche. Havald und Ragnar sind seit Jahren Freunde und Ragnar will nie auch nur ein Wort fallen gelassen haben? Sorry - sehr unglaubwürdig.
Dann das Liebesdreieck Leandra - Havald - Finna. OK, schon im Horn war eigentlich klar, dass es mit Leandra und Havald nicht klappen würde, denn der Junge bekommt das Mädchen immer erst am Ende und landet mit ihr nicht schon in der Mitte des Buches in der Kiste. Obendrein kündigte es sich auch die letzten Bücher schon immer mehr an. Aber das es dann sooo schnell geht und vor allem, dass auf einmal Leandras Bannschwert die Hauptschuld trägt, liegt mir etwas schwer im Magen. Mir kommt es zu konstruiert vor. Havald braucht jetzt halt eben Finna und nicht mehr Leandra und auch Leandra braucht Havald nicht mehr. Und das liegt nicht am Schwert, sondern eben an der Krone und anders herum an Havalds Auftrag.
Gut, zum einen wünscht man sich einfach nicht, so was zu lesen. Und auch dieser Ärger spielt mit. Und ich muss Schwartz eindeutig zu Gute halten, dass es, wie es abgeht, sehr real ist, dass Menschen, die sich lieben, eben auch genauso reagieren und einfach dumm sind und Hilfe von außen brauchen. Das ist alles wirklich schön gemacht vom Autor. Dass alles drei sogar enge Freunde bleiben und Havald sogar einen kleinen Ausblick auf eine Mögliche Zukunft gibt, ist tatsächlich schön. Genauso schön, wie er es eben auch in dem Buch ganz zu Ende bringt und es nicht noch mit in andere Bücher geschleppt wird. Auch wenn die Vermutung nahe liegt, dass vielleicht nicht alle letzten Worte gesprochen sind.
Dann Varosch... also das tat weh zu lesen und es war zu billig. Nein, Herr Schwartz, so nicht! Und ich sag jetzt dazu auch nicht, mehr, um nicht alles vorweg zu nehmen. Genauso wie das Ende, zwei Seiten... gar nicht ging. Klar... Havald wird wieder mal von den Toten zurück geholt werden... aber... wozu und warum das Ganze überhaupt? Ich saß da mit einem riesengroßen Hä??? im Gesicht!
[Spoilerwarnung aus]
So, ein paar Sachen gibt es also, die verhindern, dass der Kronrat ein wirklich ganz großes Buch ist. Aber... es bleibt weiterhin grandios und trifft einfach meinen Geschmack. Es bleibt zu hoffen, dass Schwartz wirklich eine große Fantasyserie aufzieht. Vielleicht noch mal sieben Bücher folgen. Mir würde es richtig gut gefallen. Denn eines muss man sagen: Auch wen nicht alle Bücher die gleiche, hohe Qualität haben, so leistet Schwartz sich nicht so absolute Aussetzer, wie ein Salvatore sie sich reihenweise leistet. Jetzt könnte man Angst bekommen, ob es so was wie das Rad der Zeit wird und der Autor verstirbt oder Martin Lied von Eis und Feuer, wo ich auch fast zu bezweifeln wage, dass es je ein Ende finden wird. Aber Schwartz hat eine wunderbare Welt erschaffen. Sie bietet Platz für viele Abenteuer. Und anders als andere, hat sich Schwartz bis jetzt noch nicht verstrickt und Handlungsfäden bis auf den Hauptplot nie über mehr als zwei Bücher offen gelassen. Wenn er das durchhält, kann Askir was Großes werden und ich würde mich freuen, wenn es das täte.
Dann noch eine Sache, die eher indirekt und doch direkt mit dem Buch zu tun hat. Man kann recht viel über Askir und Richard Schwartz im Internet lesen. Er hat seine Fangemeinde und Schwartz Blog auf piper-fantasy.de ist aufschlussreich. Tatsache ist, dass alle seine Bücher gekürzt sind. Dass das Horn wohl 70 Seiten verloren hat und man überlegt, ob doch die Gesamtfassung noch veröffentlicht werden soll. Jedoch alles mit Autorisierung des Autors. Aber... und das ist ein riesen Aber... der Kronrat wurde unautorisiert um 200!!! Seiten gekürzt. Das sind 25%! Der Lektor und alle, die dann mit dran hingen, die das Buch so raus brachten gehören gesteinigt, gevierteilt, mit dem Kopf nach unten in 20 Schritt Tiefe begraben. Das geht gar nicht und ist eine Frechheit, die ich nicht in Worte zu fassen vermag. Mir platzte regelrecht der Hals, als ich es las.
Schwartz nimmt es gelassen. Er schreibt in seinem Blog, dass Piper diesmal, und damit ist Götterkriege 1 - die Rose von Illian gemeint, nicht ein Wort über Kürzungen verlauten ließ. Aber vielleicht auch nur, weil die Serie mittlerweile zu erfolgreich ist.
Sei es, wie es sei... 25% Kürzung... nicht nur, dass ich mich frage, wie Schwartz es hinbekommen will, dass Fehlende nachzuholen, nein... ich frage mich, wie viel Wert das oben geschriebene hat, was eigentlich im Buch noch gewesen wäre. Wahrscheinlich ganze Handlungsstränge, die einfach rausgefallen sind, denn die Führung Wiesels durch die Stadt fand zum Beispiel nie statt.
Ich aber kann nur über das schreiben, was ich habe und so steht es oben. Es ist nur eine bodenlose Frechheit, was Verlage sich erlauben.
Genug geärgert. Machen wir ein Fazit:
Noch Leseempfehlungen abzugeben, ist m. M. Perlen vor die Säue tragen. Man kann nur eines sagen: Wer es eben bis hier hin geschafft hat, wird in Askir 6 nicht den geringsten Grund finden, nicht weiter zu lesen und wird sich auf den Götterkrieg freuen!
