Die Geschichte der Drachenlanze umfasst folgende Bücher: Die Zitadelle des Magus, der magische Turm, die Jagd des Toede, der Zauber des Palin, der edle Ritter und Raistlins Tochter. Im amerikanischen Original waren es natürlich nur drei Bücher, aber über diese unverschämte Veröffentlichungspolitik deutscher Verlage habe ich mich schon oft genug ausgelassen, also erwähne ich es an dieser Stelle nur.
Außerdem mag es auffallen, dass ich gleich sechs Bücher in einem Post bespreche - was soll das für eine Inhaltsangabe werden? Gar keine! Es steht zwar Margaret Weis und Tracy Hickman darüber, nur ist das leider nur bedingt auch drin. In Wirklichkeit handelt es sich bei den sechs Büchern um eine Kurzgeschichtensammlung verschiedenster Autoren, die die Welt der Drachenlanze mit weiterem Leben füllen - sollen. OK, OK, das sollen ist etwas zynisch, aber dazu später. Weis und Hickman haben also nur bedingt ihr Scherflein dazu beigetragen. Und ich bin nicht gewillt, jetzt zu jeder kleinen Geschichte was zu schreiben, weil es vollkommen unnötig ist. Die Geschichten sollten die Welt der Drachenlanze mit Leben füllen und das haben sie auch getan. Aber, sie taten es in der Masse mehr schlecht als recht.
Dabei sind das Gros der Geschichten jetzt gar nicht wirklich übel, aber sie müssen eben den Vergleich zu den Chroniken und den Legenden stand halten und mit diesen Meisterleistungen der Fantasyliteratur können gut 2/3 der Geschichten nicht mal ansatzweise mithalten. Warum bin ich dann so gemein, den Vergleich zu ziehen? Ganz einfach. Womit soll ich es zum einen sonst vergleichen? Und zum anderen, und das ist der wichtigere Grund, ohne vorher die Chroniken und Legenden gelesen zu haben, wird man die Geschichten bei jeder einzelnen nur mit einem riesigen Fragezeichen über dem Haupte lesen können. Deswegen, jeder, der besagte zwei Sagen nicht kennt, kann jetzt das Post auch schließen. Es ist Zeitverschwendung, weiter zu lesen.
Erwähnenswert sind nur die beiden Geschichten von Weis UND Hickman, wo in beiden Abenteuer der Gefährten um Tanis erzählt werden. Zu einer Zeit, als Raistlin noch die roten Roben trug. Dann Liebe und Bier von Nick O'Donohoe, wo es um Otiks Taverne in Solace geht, der wirklich noch jungen Tika und einem Liebespulver. Die übrigens einzige Geschichte, wo man herzhaft lachen durfte. Und die Vision des Malers von Barbara und Scott Siegel. Eine tief traurige, melancholische Liebesgeschichte um eine Schankmaid, die ihre Liebe in einem Maler fand, sie eine viel zu kurze Zeit gemeinsam in vollkommenem Glück verbringen durften und dann das graue Leben ohne ihn über Jahrzehnte beschrieben wird, bis ein freundlicher Drache sie über den Tod hinaus für immer wiedervereinte. Und da gebe ich zu, dass ich die meisten Seiten mit tränenschweren Augen las, denn die Liebe, wie sie darin beschrieben wird ist von solcher Reinheit, dass es weh tat. Schön weh tat.
Wenn ich jetzt noch die Geschichten dazu zähle, die als gut bei mir durch gingen, komme ich auf ungefähr zehn. Zehn von Dreißig - ein bisschen mager, nicht wahr?
Woran mangelt es denn dann? An allem. Es fehlt die Spannung, der Humor, das Herz, das Gefühl, die Art, also wirklich einfach alles, was man so sehr von Weis und Hickman gewöhnt ist. Ohne, einmal mehr erwähnt, dass die Geschichten wirklich schlecht sind. Aber ich bin aus der Welt der Drachenlanze wahrlich Besseres gewöhnt, sehr viel Besseres. Vor allem, wo es zum Teil vermeidbar gewesen wäre. Da war diese kleine Geschichte über das Abenteuers eines Kenders. Der Kender hieß Tolpan. Ich habe ja die ganze Zeit gehofft, dass es nur eine Namensgleichheit sei. Als dann aber am Schluss dieser Tolpan mit einem gewissen Sturm und einer gewissen Kitiara am Tisch saß und die Geschichte beendete, ging dieses Einreden nicht mehr. Das Problem war hier schlicht, dass der Kender in der Geschichte ein waschechter Kender war, aber eben nicht Tolpan. Und so zieht es sich durch die meisten Geschichten, wo die bekannten Helden vorkommen, aber etwas von anderen Autoren um sie konstruiert wurde, sie die bekannten Helden aber eben nicht so darzustellen vermochten, wie es Weis und Hickman so genial taten. Deswegen sind eben die Geschichten, wo sie nicht vorkamen, wo ganz andere Gestalten die Hauptrolle spielten, jene sechs Geschichten, die die Zehn voll machen.
Vielleicht ist es einem aufgefallen, dass ich das Und zwischen Weis und Hickman in Großlettern schrieb, das hatte auch seinen Grund. Tatsächlich ist noch eine Geschichte von der Weis allein und eine mit einer Co-Autorin in der Sammlung und sie sind beide nur Mittelmaß. Gerade die Geschichte von Weis allein würde ich sogar unumwunden als schlicht schlecht bezeichnen. Klar, sie sind beide natürlich über Raistlin und es ist kein Geheimnis, was ich von Raistlin halte, oder vielmehr, wie Weis für mich vergeblich versucht ihren Lieblingscharakter in einem guten Licht darzustellen und das einfach an den Haaren herbeigezogen ist. Auch die Geschichte, wo Weis eine Co-Autorin hatte, erinnerte so stark an die hanebüchene Liebesgeschichte von Raistlin und Crysania in den Legenden, dass es weh tat. Und wieder ist das zueinander hingezogen purer Autorenwille und nicht ansatzweise aus dem, was da steht, erklärbar - oder man muss wirklich eine Frau sein, um das verstehen zu können. Ich bin keine.
Apropos Liebe. Das war auch ein starkes Stück. Die letzten beiden Bücher beinhalten nur und ausschließlich Geschichten, wo es um unerfüllte oder tragische Liebe geht. Direkt zwischen Mann und Frau oder auch mal indirekt zwischen Gott und Gläubigem zum Beispiel. Klar, die Vision des Malers ist in den letzten beiden Bänden und der edle Ritter, die ich hier auch erwähnen kann. Aber zwei von einem Dutzend? Wieder zu wenig. Ansonsten viel zu viel erzwungener Herzschmerz auf einen Schlag.
Es ist kein Problem, die Geschichte der Drachenlanze zu lesen und das auch zügig, aber Genuss ist wirklich was Anderes.
Deswegen lautet mein Fazit:
Nur was für richtige Fans der Drachenlanze. Oder man kann sie sich bei einem Freund ausleihen. Aber sonst...
Die Geschichte der Drachenlanze
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