Seherinnen der Aijnan

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Die Seherinnen der Aijnan


Die Geschichte der Seherinnen der Aijnan ist eigentlich eine der jüngeren Geschichten des Volkes, obwohl sie schon 4.000 Jahre alt ist. Sie ist jedoch deswegen so wichtig, weil es in der meisten Zeit der Geschichte der Seherinnen nur eine einzige Seherin gab und auch erst die jüngere Geschichte offenbarte, was es mit ihr überhaupt auf sich hatte. Dass diese Seherin Lathandra Mathanda ist, ist – zumindest auf Thrumumbahr – allgemein bekannt. Ebenso ist bekannt, dass sie seit dem Seelenschlag und während der Abwesenheit der Aijnan und Ahinjamuhrs nie müde wurde, den Kontinent zu bereisen und von der Rückkehr der Aijnan zu sprechen. Manche sagen, dass es eigentlich sogar Predigten waren.

Weniger bis gar nicht bekannt ist, wie Lathandra zur Seherin wurde und was wirklich ihre Gaben sind. Am Tag des Seelenschlages befand sich Lathandra als Weise Frau des Clans der Jäger zwar in der Nähe Ahinjamuhrs, aber nicht in der Stadt selbst. Trotzdem sah sie die Katastrophe, die die Aijnan an jenem Tag heimsuchte. Fast wahnsinnig vor Verzweiflung, Angst und Scham, irrte sie in der Wüste umher. Auf der Suche nach der Stadt, die nicht mehr war. Als ihr bewusste wurde, dass wirklich geschehen war, dessen sie Augenzeugin gewesen war, legte sie sich in der Wüste nieder, um zu sterben, denn mit der Stadt war alles verschwunden, was sie am Leben gehalten hatte. Doch die Göttin hob die Aijnan auf und nahm sie zu sich. Wie lange das dauerte, das weiß Lathandra nicht mehr. Aber sie weiß, was mit ihr geschehen ist und sie weiß, welchen Auftrag sie von der Göttin erhielt. Denn die Herrin nahm ihr ihr Augenlicht, gab ihr aber eine neue Sicht. Und mit dieser Sicht ausgestattet wurde sie zurück gesendet. Und die Herrin sprach zu ihr: „Gehe hinaus und über das Land und verkünde, dass nicht alles verloren ist. Denn siehe! Die Aijnan werden zurückkommen, wenn sie ihre Taten gebüßt haben und ich ihnen wieder vertrauen kann!“ Und Lathandra ging hinaus und tat, wie die Göttin ihr befohlen hatte. Doch nicht nur die Erinnerung an Ahinjamuhr und die Aijnan, die in ihr lebten, hielt sie aufrecht. Rasch wurde offenbar, dass die neue Sicht, die sie hatte in ihr die Gabe der Seherin geboren hatte und sie in die Zukunft zu blicken vermochte, um vorherzusagen, was geschehen würde. Und das im Großen, wie auch im Kleinen.

Doch was genau hatte die Göttin in ihrer Tochter verändert? Zwar nahm die Herrin Lathandra ihr normales Augenlicht. Aber sie ließ sie nicht blind zurück. Vielmehr konnte sie das Land noch immer in diffusen Konturen sehen, aber Lebewesen sah sie jetzt in Farben. Viel mehr Farben, als es andere Augen zu sehen vermögen und wodurch jede Art von Leben ihre Grundfarbe erhielt und jedes Einzelwesen eine gewisse verändernde Nuance, wodurch sie sehr wohl in der Lage, jedes Wesen zu erkennen und mehr noch, als es jedem anderen jemals möglich war. Und in diesen Nuancen war es ihr möglich zu erkennen, welches Wesen mit welchem anderen konform gehen würde, wie sie zusammen arbeiten würden und so auch, was am Ende mit zutreffender Wahrscheinlichkeit für ein Ergebnis dabei heraus kommen würde. So war es Lathandra möglich, eine Sicht auf die Zukunft zu erhaschen. Niemals ging sie darin fehl, obwohl es nie die Göttin war, die ihr die Rückschlüsse einflüsterte. Aber so ist es wohl klar, warum die Herrin Lathandra als jene erwählte, die die Gabe erhalten sollte und sie mit einem verlängerten Leben ausstattet. Noch etwas konnte Lathandra aber so unzweifelhaft erkennen. Denn wenn die Gesinnung eines Wesens übel war oder gar böse, so war es wenigstens die Nuance der Rassenfarbe, die Lathandra dies verriet, sei es ein Mörder oder ein Schattenjünger. Oder auch, ob es ein Seevicya war oder einer, der von ihnen verführt worden war. Sogar welchen Gott so jemand wirklich verehrte, konnte sie sehen. Hierüber hat die Seherin zu niemand je gesprochen, wenn es nicht jene waren, die ganz tief in ihrer Freundschaft und Ratsschlüssen standen.

So war Lathandra die Seherin. Für Jahrtausend nach Jahrtausend. Und alles, was die Seherin vorhersagte, würde wahr und die Aijnan kamen zurück. Mit ihnen zurück aber kam die junge Fhoriah. Ein junges Mädchen, verschlossen und schüchtern, das sich vom Leben um sich herum zurückgezogen hatte, denn auch sie hatte eine Gabe. Doch diese Gabe war für sie ein Fluch, denn sie könnte bei allen, die sie sah erkennen, was ihnen in ihrem Leben widerfahren würde. Und über allem stand immer der Tod. Lathandra aber sah mehr in der jungen Frau und nahm sie unter ihre Aufsicht und unter ihren Schutz, um sie in die Geheimnisse der Weisen Frauen einzuweisen und – ohne, dass Fhoriah davon wusste – ihr die Geheimnisse einer Seherin zu lehren. Denn obwohl es nicht offensichtlich war und Fhoriah zu ihrer Gabe von Geburt an in der Lage war, so ähnelten sich die Gaben der beiden so sehr, dass Lathandra in ihr eine zweite Seherin sah oder sogar ihre Nachfolgerin.

Fhoriahs Gabe zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Zukunft von Lebewesen sehen kann. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Sie sieht Bilder um das Lebewesen herum, die die Zukunft zeigen. Je bedeutender eine Person ist, desto mehr Bilder sieht sie. Oft ändern sich die Bilder aber auch noch während sie hinsieht. Das kommt daher, dass jede Handlung unmittelbar oder mittelbar die Zukunft beeinflusst. Eines nur ist immer sicher; der Tod. Fhoriah hat das Problem, das sie die Bilder deuten muss. Oft genug weiß sie nicht was sie bedeuten oder wie sie die Person beeinflussen wird. Seit ihrer Geburt besitzt sie diese Gabe der Sicht aber die Bilder richtig zu interpretieren ist ein langer und quälender Prozess. Einzig den Tod kann sie immer und überall erkennen auch wenn er bei jeder Person, jedem Lebewesen, in einem anderen Bild vorkommt.

Lathandra war in der Lage, Fhoriah behutsam in die Deutung der Bilder zu führen und vor allem, ihr zu verdeutlichen, dass sie dabei im Besitz einer Gabe und keines Fluches ist. Natürlich ist die vollständige Ausbildung Fhoriahs nicht abgeschlossen und wird es vielleicht auch niemals sein, trotzdem ist Fhoriah mittlerweile in den Kreis der Weisen Frauen aufgenommen und das als Seherin. Ob es damit zu einer neuen Form der magischen Ausprägung unter den Weisen Frauen der Aijnan kommen wird, ist natürlich noch unklar. Sicher aber ist, dass Lathandra nicht der alleinige Einzelfall mehr ist und die Göttin offenbar eine gewisse Form des Seherinnentums in den Rängen der Aijnan verankert sehen will.